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Gesichtsfeld


In die Breite sehen...

Unsere Augen nehmen verschiedene Aufgaben wahr. Wir können mit ihrer Hilfe Gegenstände mit dem zentralen Sehen je nach unserer Sehschärfe erkennen. Unsere Augen müssen uns aber beispielsweise auch vor Gefahren am Rande unseres Blickfeldes warnen. Wir bemerken mit gesunden Augen schon aus den Augenwinkeln ein Fahrzeug, das unsere Fahrtrichtung quert. Zuständig dafür ist unser Gesichtsfeld, mit dem wir bei zwei gesunden Augen fast 180° unserer Umgebung überwachen.


Der blinde Fleck

Dabei fällt uns gar nicht auf, dass es in unserem Gesichtsfeld zwei Stellen gibt, an denen wir auch bei gesunden Augen nichts sehen können. Es handelt sich hierbei um den "blinden Fleck", der sich an der Stelle befindet, an dem der Sehnerv am Augenhintergrund unser Auge verlässt. An dieser Stelle befinden sich keine Sinneszellen und wir können daher dort auch nichts sehen. Weil wir uns aber schon so daran gewöhnt haben, fällt uns der blinde Fleck gar nicht auf.


Gesichtsfeld und Sehbehinderung

Viele Formen von Sehbehinderung sind mit Gesichtsfeldausfällen verbunden. Diese können scharf begrenzt oder eher diffus, bewusst wahrgenommen oder unauffällig sein. Je nach dem Ort der Gesichtsfeldausfälle unterscheidet man zwischen


Der Röhrenblick

Es gibt Sehbehinderungen, bei denen das Gesichtsfeld von außen her sehr stark eingeengt ist. Weil dieses Gesichtsfeld dem Blick durch eine Röhre vergleichbar ist, wird diese Einschränkung als "Röhrenblick" bezeichnet.

Auswirkungen

Ein Röhrenblick wirkt sich vor allem auf Orientierung und Mobilität aus. Das folgende Beispiel soll das veranschaulichen:

Fußgängerübergang mit Ampel, Straßenbahnhaltestelle und winkenden Freund auf der gegenüberliegenden Seite.

Wenn Sie dieses Foto betrachten, sehen Sie eine alltägliche Verkehrssituation aus der Perspektive eines Fußgängers. Er blickt auf einen Radfahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Aus den Augenwinkeln bemerkt er links eine Person vor einer Straßenbahn, die ihm zuwinkt. Auf der rechten Bildhälfte sehen wir die Fußgängerampel, die gleich auf Grün umschalten wird. Der Radfahrer wird nun auf dem Zebrastreifen die Straßenseite wechseln.

Blick einer Person mit Tunnelblick: man sieht nur die auf rot gestellte Ampel.

Ganz anders stellt sich die Situation auf dem zweiten Bild dar, das den Blickwinkel einer sehbehinderten Person mit Röhrenblick nachahmt. Der Blick richtet sich auf die Fußgängerampel. Die sehbehinderte Person wird nun bei Grün die Straße überqueren. Durch das parallelle Starten der Autos an der Kreuzung kann sie andere akustische Informationen nur schwer wahrnehmen. Der Sehbehinderte wird ziemlich erschrecken, wenn plötzlich der Radfahrer in nur geringem Abstand im Blickfeld auftaucht. Das eine Person von der gegenüberliegenden Straßenseite winkt, wird überhaupt nicht bemerkt und folglich auch nicht erwidert.

Missverständnisse

"Es passiert meiner Gattin immer wieder, dass ihr jemand die Hand entgegenstreckt und sie es nicht bemerkt", berichtet Christian, dessen Gattin eine Gesichtsfeldeinengung auf ca. 10° hat. "Meistens reagiert die Umgebung sehr verständnislos. Wenn ich die Beobachtungen meiner Gattin mitteile, ist sie frustriert und mag sich gar nicht mehr in Gesellschaft begeben."

Die Gefahr ist groß, mit dem eingeengten Gesichtsfeld auch Gegenstände zu übersehen und über diese zu stolpern. Um Verletzungen vorzubeugen, verwenden viele Menschen mit Röhrenblick einen Blindenstock, selbst wenn das zentrale Sehen noch verhältnismäßig gut ausgeprägt ist. Oft werden diese Menschen mit Tunnelblick dann als Simulanten angesehen.

Was tun?

Missverständnisse lassen sich nur vermeiden, wenn die Umgebung über Art und Ausmaß der Gesichtsfeldausfälle Bescheid weiß. Wenn es auch schwer fällt, zahlt es sich aus, Freunde, Verwandte, Nachbarn oder die ArbeitskollegInnen über die Sehbehinderung zu informieren und deren Fragen zu beantworten.

Das eingeengte Gesichtsfeld führt dazu, dass bei einem Blick gerade aus Hindernisse oder Gruben nicht gesehen werden. Blickt man auf den Boden, dann können beim Gehen Gefahrenquellen in Kopfhöhe nicht bemerkt werden. Um Verletzungen und andere böse Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich daher, beim Gehen einen Blindenstock zu verwenden. Bei richtiger Anwendung können damit Hindernisse, Treppen oder Löcher wahrgenommen werden. Dazu sollte man in einem Mobilitätstraining die richtige Verwendung eines Langstockes erlernen.